„Wir stehen vor Herausforderungen!“, rufen die da oben laut motivierend, wo sie doch meistens spüren, schon knietief in der Gülle zu stehen. Das Wort Problem verwendet der gebildete Mensch für sich selbst nicht. Probleme haben eventuell die ganz unten unter uns, und es sind natürlich von ihnen schuldhaft selbstgemachte Probleme. „Kommen Sie mir nicht mit Problemen, zeigen Sie sofort effektive Lösungen auf, die ich locker entscheiden kann, ohne Geld locker zu machen!“ Manager aber, die Mist gemacht haben, sehen neudeutsch nur eine Challenge vor sich. Der einzige Fall, in der etwas nicht nur eine Herausforderung ist, scheint mir im Wort Dieselproblematik zu stecken, dann steht aber die Gülle schon bis zum Hals.

Ich habe so oft von Top-Managern diesen Satz gehört: „Wir müssen jetzt ganz einfach nur unsere Hausaufgaben machen.“ Hey, Leute, was passiert mit Schülern, die ihre Hausaufgaben nicht machen? Dürfen die dem Lehrer erklären, sie stünden vor einer Herausforderung? Manager reden sich eben mit genau dieser Formulierung heraus, indem sie sich mit schneidiger Haltung vollverantwortlich erklären, die Hausaufgeben zu machen! Der Schüler aber, das wissen wir, drückt sich nur. Das tun Manager nicht. Sie stehen zu der Pflicht, die Herausforderung anzunehmen, die Hausaufgaben zu machen. Sie bejahen diese Pflicht. Aber sie machen dann die Hausaufgaben doch nicht… Und alle wissen es. Es nervt entsetzlich.

Insbesondere leiden wir heute unten den Herausforderungen der Digitalisierung, die lange ignoriert wurden („Neuland“). Jetzt weinen sie:

  • „Deutschland hat kaum Glasfasern!“
  • „Daten sind wie Erdöl, leider ist Deutschland ein rohstoffarmes Land.“
  • „Amazon gefährdet neuerdings den Einzelhandel.“
  • „Die Jungen bekommen wohl gar keine Rente mehr, wir selbst werden nur altersarm, da müssen uns die Jungen aber bald kräftig unterstützen.“
  • „Unsere Infrastrukturen sind marode, wir brauchen Laptops mit SSD-Speicher! Die Festplatten der alten Laptops gehen beim Fahren durch Schlaglöcher kaputt!“
  • „Es kommt stets entscheidend auf den Menschen an, Face-to-Face ist so wichtig, keine Telefonberatung bitte! Nur in der Firma selbst müssen wir natürlich sparen und haben nur Calls.“
  • „Was sollen wir denn mit den vielen Menschen machen, die wegroboterisiert werden? Mir selbst ist schon angst und bange. Ich soll lebenslang lernen – das sagen sie mir ganz rüde ins Gesicht. Alle müssten das, außer Lehrer und Professoren vielleicht, die ihr besetztes Gebiet verteidigen.“
  • „Damit Lehrer Apps benutzen können, braucht es doch Milliarden an Mitteln für Weiterbildung außerhalb der Ferienzeit! Wie sonst kommen sie auf den Stand von Fünfjährigen?“

So redet niemand, der in seinem Fach gut und auf der Höhe der Zeit ist. Es ist Loser Talk.

Die junge Generation, die ich oft in Veranstaltungen treffe, ist es herzlich leid. Das Lachen über die Digitalisierung ist in die Jahre gekommen, leiser geworden und bald vergangen. Nun wird es mit Aussitzen probiert, indem man über die angeblich ganz neuen Herausforderungen „eine deutliche Sprache“ spricht und sie langsam anzunehmen bereit ist. Die CEOs wollen aber kein bloßes Gerede. Sie fürchten, dass man ihnen selbst die Herausforderung als Chefsache aufschwatzt, was sie ja ist. Sie brüllen nach unten: „Kommen Sie mit Lösungen!“ Die bestehen darin, einen Chief Digital Officer zu ernennen, so als eine Art — mir fällt aus der Bibel ein: „Du nimmst hinweg alle Probleme der Welt, erbarme dich unser.“ Dieses Vorzeigetheater durch Sündenbockaufstellung nervt noch mehr. [Ich habe die Billigmethode, mit Vice-President-Ernennungen auf Probleme zu werfen, in meinen Büchern „Vipisierung“ genannt; man ordnet einer Herausforderung eine voll verantwortliche Person zu, fertig.]

Es nervt! Es ist alles Loser-Talk. Schreien Sie alle mit: „Lo-ser Talk! Lo-ser Talk!“ So wie Trump: „Lock her up! “

„Sie kochen da drüben auch nur mit Wasser.“ – „Loser Talk!“ – „Das wird nichts, und wenn doch, holen wir schnell auf.“ – „Loser Talk!“ – „Es liegt in unserer DNA Download PuTTY here , in jeder Krise stärker zu werden, weil dann auch sinnlosen Befehlen aus Not sofort gehorcht wird. Das haben wir schon so oft erlebt.“ – „Loser Talk!“ – „Okay, wir sind down. Man muss aber nur einmal öfter aufstehen als hinfallen.“ – „Loser Talk!“ – „Die Massenentlassung hat viel Geld gekostet, aber es handelte sich nur um eine Einmalausgabe, eine one-time-charge, die wir aus dem Periodenergebnis herausrechnen können. Wir haben nach dieser Bereinigung einen sehr ordentlichen Gewinn erzielt. Wir stehen dazu, stets Boni an diejenigen zu zahlen, die noch da sind.“

„LO-SER TALK!“ euer Andreas K.

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