Wer hat die Verantwortung zu tragen, wenn eine Firma Fehler begeht, die Gesetze verletzt oder einfach schlecht geführt wird? Der Geschäftsführer oder der verantwortliche Manager, das erscheint uns klar. Aber über diesem Chef thront ja noch der Besitzer des Unternehmens (das ist manchmal derselbe, der das Unternehmen führt). Ist der nun auch schuldig? Nein, aber verantwortlich. Das will ich hier vor allem sagen.

Ich stelle diese Frage, weil ich selbst betroffen bin dass alle Diesel technisch nachgerüstet werden sollen, was nach Lage der Dinge in etwa nur den einmaligen Dividendenausfall der entsprechenden Aktiengesellschaften kosten würde. Daimler, BMW und VW schütten derzeit 3,9/2,6/1,2 Mrd. aus, da- mit kann man schon ganz schön viele Dieselfahrzeuge nachrüsten, oder? Na, dann vielleicht zwei Jahre keine Dividende.

„Wenn die Autofirmen nachrüsten, kostet es Arbeitsplätze.“ – Nein, es kostet nur die Dividende und die bringt einige 10 Mrd. Euro Werkstattaufträge und schafft damit viele Arbeitsplätze. „Die so blutenden Autohersteller gehen in die Knie und verlieren den Wettlauf um das e-Auto.“ Nein, die Dividende zahlen sie sowieso, außerdem sind sie noch gar nicht so richtig im Wettlauf. „Die Aktionäre dürfen nicht einseitig das Risiko tragen.“ Uuuih, das sagten etliche. Oh, Leute, Aktien sind ein Risikopapier. Wer Aktien hat, muss für die Aktiengesellschaft einstehen. „Die Aktionäre haben aber keine Schuld, wenn der Vorstand betrügt.“ Nein, Schuld haben sie nicht, aber sie sind für den Vorstand verantwortlich. Der ist schuld und muss oder kann von ihnen zur Rechenschaft gezogen werden. Sie können ihn verklagen und Geld zurückfordern. Aber den ganzen Schaden trägt die Aktiengesellschaft, die dafür haftet. Also haften die Aktionäre. „Die Aktionäre können doch nichts machen?“ Doch, sie wählen den Aufsichtsrat und der setzt den Vorstand ein, so wie das Volk den Bundesrat wählt und der setzt die Regierung ein. „Aber wenn ein Aktionär nur eine einzige Aktie hat, kann er nicht viel bestellen.“ Stimmt, er hat nur eine Stimme, so wie in der Demokratie, die wir für beste die Herrschaftsform halten. „Denken Sie daran, dass viele kleine Leute ihr sauer Kleinerspartes in Investmentfonds anlegen und nur die Dividende wollen.“ Dann haben sie aus Bequemlichkeit ihre Stimme in der Regel an den Fonds abgetreten PuTTY basic commands , aber nicht die Verantwortung. Und am schönsten: „Wenn nun Leute Aktien haben, aber privat ganz gegen Diesel sind und auch keinen haben, sollen die auch auf Dividende verzichten?“ Und einige Male: „Umrüsten bringt ja nichts, wir sollten gleich auf e-Autos.“ Ja, da stimmt, aber erst einmal muss konkret das Unrecht gegenüber den Autokäufern beseitigt werden. „Wahrscheinlich bringt die Nachrüstung ja nichts. Für die Luftverschmutzung.“ Kann im Prinzip sein, sollen wir jetzt aus Frust alle Schummler/Betrüger laufen lassen? „Wir sollten das Geld nehmen und wirklich saubere Luft schaffen, nicht nachrüsten.“ Witzig: Sie klammern sich alle an ein paar zehn/hundert Euro Dividende oder wollen das Problem der Luftverschmutzung gleich ganz lösen oder an der Wurzel packen, nehmen aber apathisch hin, dass die konkreten Dieselautos einige Tausend Euro an Wert verloren haben. Das scheint Pech zu sein. „Alte Diesel sind so wenig wert, dass die Nachrüstung teurer als der Verkehrswert wäre.“ Stimmt, dann kauft man das Auto auf statt es nachzurüsten.

Die Rückmeldungen atmen aus: Am besten soll so ein Winterkorn persönlich alles bezahlen, alle ande- ren können doch nichts dafür. Es wird immer nur die Schuld gesehen, nicht die Verantwortung. Hey, ein Volk hat doch die Verantwortung für das, was seine Regierung tut. Die Eltern tragen die Verantwor- tung für die Schnitzer ihrer Kinder. Sie haben die Aufsichtspflicht. Sie müssen gar nicht selbst schuldig sein, aber die tragen die Verantwortung!

Von Eltern, die von der Schuld ihrer Kinder betroffen sind, erwartet man Wiedergutmachung, auch von Völkern, deren Regierung Schuld auf sich lud. Warum sehen sich die Aktienbesitzer nicht in der Verantwortung? Warum nicht das Land Niedersachsen als Großaktionär von VW, warum nicht die Familien hinter VW/BMW/Porsche? Warum nicht die Investmentfonds? Überall nur bloße Besitzer, die ihre Dividende lieben. Bisher sind alle ach so schuldigen Vorstände von den Aktionären auf den jeweiligen Hauptversammlungen entlastet worden. Das haben die Aktionäre bestimmt nur ärgerlich mitgemacht, klar. Aber sie haben formal ihr OKAY zur Amtsführung gegeben.

Seltsam. Wenn ein Unternehmen kaputt geht, weil Trump plötzlich Zölle erhebt – tragisches Pech. Wenn Zulieferer für Dieselmotorteile ins Gras beißen – Pech. Wenn eine unversicherte Fabrik abbrennt – Pech. Wenn Vogelpest alles vernichtet – Pech. Tsunami, Erdbeben, Flut – Pech. Nur wenn das selbst einge- setzte Management betrügt, dann müssen alle Risikonehmer schadlos gestellt werden.

Es es ist verrückt wie wir als Aktionäre in den Schatten gestellt werden ohne es verhindern zu können außer keine mehr zu kaufen.

Ich möchte mit dem Artikel nur die heute Situation etwas näherbringen, wie weit oder auch wie kurz wir gekommen sind.

Wenn Sie auch Ihre meinen dazu haben bin ich gerne offen für Dialoge, unter  info@sorrelling.comoder auf unsere Homepage unter: https://www.sorrelling.com